das

Beschreibt in einer wundervollen Variante die Barmherzigkeit, die Nächstenliebe, die Liebe in ihrer reinsten und ehrlichsten Form. Im Gedicht „Großmütterchen“ finden wir den Absatz:

„Und weinte ich zum Herzerbarmen,
So weinte sie erbarmend mit.“

Es drückt die innerste, tiefste Verbundenheit zweier Wesenheiten aus, deren innerste Rührung, Liebe, Zuneigung, die wir Menschen zu fühlen imstande sind. Der Absatz enthält eine tiefe, enge, vertrauliche Beschreibung dieses Gefühls, wie man es schwer nachvollziehen kann, es sei denn, man hat es selbst erlebt.

Wunderbare Wortschöpfung und ein sehr schönes Beispiel für die Klarheit und Vielfältigkeit unserer deutschen Sprache.

„heftig brennen, in wallender Glut emporsteigen“ - loh, Eigenschaftswort: „flammend“

Wir haben nach Beispielen für die Verwendung dieser Wörter gesucht und zu diesem Behuf „Unsere Heldensagen“ (Wieland, Gudrun, Beowulf, Walther und Hildegund, Von den Nibelungen) von Leopold Weber durchkämmt. Dabei durften folgende Textauszüge entdeckt werden: 

„Bald lohten in langen Zeilen die Wachtfeuer auf in der windigen Nacht.“

„In Qualm gehüllt, lohte das Kampffeld.“

„Im Feuer loderte die Schmiede gen Himmel, und aus den Flammen
hob sich auf Riesenschwingen ein Vogel.“

„ [...] die Wälder entbrannten, in Flammen lohten die Dörfer [...]“

„In der Nacht noch segelte er mit seinen Gesellen davon, aber das Verlangen
nach Gudrun loderte in seiner Brust umso heißer.“

Die Herkunft von lohen ergibt sich aus mittelhochdeutsch (mhd.) lohe, daneben, mit grammatischem Wechsel von h und g, auch mhd. louc, althochdeutsch (ahd.) loug (belegt seit dem 8. Jh.), louc, laug, altsächsisch lōgna und altenglisch līeg. Eine Verbindung zu leuk, der indoeuropäischen Wurzel für
„-leuchten, licht-“ ist zu erkennen.

Die Herkunft von lodern ist vermutlich aus der wohl ursprünglichen Bedeutung „emporwachsen“ gegeben (vgl. westfälisch lodern, „üppig wachsen, wuchern“), in der Bedeutung „emporflammen“ vermutlich durch Lohe für „Flamme“ beeinflußt und verwandt mit neuhochdeutsch (nhd.) Lode, die, Hauptwort, „Schößling, Jungtrieb, Zweig“.

die

Glut, Flamme

die

„die Wesenheit einer Sache, ihr Wesen“; „in der Wesenheit, der wahren, eigentlichen Beschaffenheit nach“; „das Wesen eines Dinges ist der Inbegriff der Wesentlichkeiten, d.h. der wesentlichen Merkmale oder Stücke eines Ganzen“; mhd. auch wesentheit, frühnhd. noch vereinzelt zu wesen „guter Zustand“;

allgemein: „von Gott, der menschlichen Seele und von Dingen überhaupt“, „Substanz als Stofflichkeit, Leiblichkeit oder Essenz im chemisch-alchimistischen Sinne“; auch „das Wesen von etwas in einem volleren Sinne, den gesamten Gehalt an Eigenart vergegenwärtigend“; „eine Wesenheit der Sache“, „in der Wesenheit, im Wesentlichen, im großen Ganzen“;

„[…] euch dreien g’nügt ein auge, g’nügt ein zahn,
da ging’ es wohl auch mythologisch an
in zwei die wesenheit der drei zu fassen […].“

(Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), Dichter und Naturforscher,
aus: „Faust – Der Tragödie zweiter Teil“, vollendet 1831)

Wesenheit, auch in „Gegenüberstellung mit Schein und Schatten“, „Natur, Wesensart, Eigenheit“, „innerste Natur eines Menschen“, „spezieller Wesenszug, Eigenheit“;

hiervon jedoch dadurch unterschieden, daß Wesenheit sich nicht auf wirkliche Geschöpfe, sondern ausschließlich auf ideelle Existenzen oder jene bezieht, die einen abstrakten Begriff vergegenständlichen – oder doch so allgemein gebraucht wird, daß diese in die Auffassung eingeschlossen sind: der Seelen aber, dieser nach dem Ebenbild Gottes erschaffen;

das Wort Wesenheit setzt sich aus dem Wort Wesen und der Endung -heit zusammen; die Endung
-heit trägt bereits die Bedeutung von „Art und Weise, Beschaffenheit, Bedeutung“ in sich (siehe dazu auch unseren Wortfinder-Rundbrief 14_KW19/2022 „Mit Zuversicht zu innerer Klarheit und Wahrheit finden“).

Das Wort Wesen finden wir in althochdeutschen Wörterbüchern als Wesan, das, „Existenz, Sein, Grundlage, Geist, bleiben, bestehen, fortdauernd“.

 
das

Auch Restlchen, „kleiner Rest, das letzte Restchen Mut, ein kleines Restchen Stoff“;

 

Ahd., „ruhen, rasten, schlafen, sich erholen, bleiben, liegen, ausruhen“ oder auch: Resti, die, Hauptwort, ahd., „die Ruhe“.

 

die

Enthält das Wort lind, Eigenschaftswort, ahd., „mild, sanft, freundlich weich, zart, sanft“, sowie das Wort Segenshand, die, Hauptwort, zusammengesetzt aus den Worten Segen, Segan, der, Hauptwort, ahd., mit der Bedeutung „Kraft, Zuweihung, Segnung, mit dem Kreuz bezeichnen“; aus lat. signum; „Gottes Segen auf jemanden herabflehen“, und als weiteres Wort Hand, die, Hauptwort.

 

Die Bedeutung von „linde Segenshand“ kann man als eine milde, sanfte Segnung, als Zuweihung einer freundlichen Geste deuten, so wie hier im Gedicht „Großmütterchen“, wo sie als eine liebevolle Geste aus vollster Inbrunst zu verstehen ist.

der

Die Augen sind der Spiegel unserer Seele und diese wohnt natürlich bei den Sternen. Mit einem Wort ist alles beschrieben, und wir fühlen die Bedeutung, die uns leicht anhebt im Herzen.

Wunderbare Wortschöpfung und ein sehr schönes Beispiel für die Klarheit und Vielfältigkeit unserer deutschen Sprache.

 

„Vor etwas geschützt, behütet sein, unverwundbar sein“; es entstammt dem Hauptwort Fei für Fee, die, Hauptwort, aus dem das Wort (ge-)feien gebildet wird.

der

„Mut zum Glauben“, „aus religiöser Überzeugung entspringende Kühnheit“, „durch den Glauben gestärkter Mut“, „Lebenszuversicht, Weltvertrauen“; „erwachsen aus dem Empfinden und Bewußtsein eigener Geborgenheit und eigenen Stellenwerts im kosmischen Ganzen“;

den Ursprung des Wortes Glauben finden wir im althochdeutschen Wort loub, vorrangig mit der Vorsilbe gi- oder ge-, siehe gilouben, gelouben, mit der Bedeutung „glauben, gutheißen, sich etwas lieb und vertraut machen“.

„erneure unsern glaubensmut
zu deinen dornenwegen.“

 (M. Albert Knapp (1798–1864), Pfarrer, aus: „Evangelischer Liederschatz“, Stuttgart und Tübingen, 1850)

„schau wie dein neues volck mit festem glaubensmuth
vor dich (den könig) den himmel stürmt.“

(Johann Valentin Pitsch (1690–1733), Arzt und Dichter, aus: „Gebundene Schriften“, Königsberg, 1740)

„sie wandelte hochbeseelt
durch starken glaubensmuth,
bereit zum opfer von gut und blut.“

(Franz Stelzhamer (1802–1874), Dichter, aus: „Ausgewählte Dichtungen“, Wien-Pest-Leipzig, 1884)

„aber hoffst du, dasz sein herz
so vielen glaubensmuth und eifer hege?“

(Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), Dichter und Naturforscher, aus: „Sämtliche Werke“, Stuttgart, 1894)

Mut, der, Hauptwort, mhd., ahd., muot, „Sinn, Geist, Gemüt“, asächs. môd, „Gemüt, Inneres, Herz, Mut“, angls. mód, „Geist, Gemüt, Herz, Eifer“, got. môds, „Zorn, starke Seelenstimmung, heftige Erregung“; Grundbegriff des gemeingerm. Stammes môda, dessen Ursprung über das Germanische hinaus nicht mit Sicherheit zu verfolgen ist.

Im Wortfinder-Rundbrief 18_KW23/22 „Bewußtsein und Gewahrsein durch das Üben in Geduld“ sind wir bereits auf das Wort Mut bzw. Langmut eingegangen.

die

Lat., „Umänderung, Verbesserung“; vor allem im kirchlichen Sprachgebrauch verwendetes Wort, heutzutage auch in der Wirtschaft und der Politik; weitere Bedeutung: „die Verbesserung der gesellschaftlichen Zustände innerhalb der streitenden Kirche auf Erden“.

In der Nutzung von Fremdwörtern verbergen sich oftmals Bedeutungen, derer wir uns nicht immer bewußt sind. Gerade Fremdwörter werden in unseren Sprachgebrauch eingeschleust, um sie immer wieder mit neuen Bedeutungen und Zusammenhängen zu belegen. Sie werden „instrumentalisiert“, zu einem Werkzeug gemacht, um uns dadurch eine Haltung oder eine Meinung aufzuerlegen. In der Schönheit und Klarheit der deutschen Sprache aber entstehen keine Mißverständnisse. Nutzen wir daher umso mehr die Kraft der deutschen Begrifflichkeiten, wenn wir etwas verändern wollen, denn dann benennen wir es auch so: „Reformation“ also im unbelegten Sinne von „Umgestaltung, Umbildung von etwas bereits Bestehendem, Umbau“ bis hin zu „Neubeginn“.

Nicht immer ist eine Veränderung eine Verbesserung. Doch wollen wir etwas verändern, dann nutzen wir diese Worte. Sie werden uns in unserem Vorhaben kraftvoll unterstützen.

Sich hin und her bewegen, schwingen, schwanken, flattern, schweben, taumeln;

auch sweiben, weibōn, Tätigkeitswort„schweben, sich bewegen, sich drehen, schweifen, schwanken“ oder „ziweiben, Tätigkeitswort, „zertreuen, ausstreuen“.

Es ist denkbar, daß das Wort weben ebenfalls mit dem Wort weiben verwandt ist oder die nun aktuell gebräuchliche und genutzte Form davon. „Altweibensommer“ würde auch einen Sinn ergeben, mit dem Wirken der bekannten Nornen, den ewig jungen Schicksalsgöttinnen. Die Erklärungen „flattern“ oder auch „schweben, schwingen“ sind dafür durchaus nachvollziehbar.

das

entlehnt aus dem lat. elysium, dem gr. ἠλύσιον πεδίον, „elysisches gefilde“, zugrundeliegt; lt. „Deutsches Wörterbuch“ von Jacob und Wilhelm Grimm: „land der seligen in der griechischen mythologie, häufig ohne bestimmten artikel“ (1680);wie herrlich ist nicht sonst bey aller welt gepriesen / der sitz der lustbarkeit, die felder in Elysen“ (Mühlpforth, ged. 1686); „reigen von seligen geistern im Elysium“ (Zuckmayer, 1960);

so auch in folgender Bedeutung verwendet: „schön angelegter oder gelegener Ort, Paradies“, Ort einer Hold- und Freudseligkeit, in Schillers Gedicht „An die Freude“ ist die Freude die „Tochter aus Elysium“ und damit auch die „Himmlische“; Elysium als „Garten Eden“, „Reich der Glückseligkeit“; „in dem vorhofe deß schlosses, auf der andern seite, zeiget der eingang ein schönes elysium (1667); „sie sah mich an; ihr leben hing / mit diesem blick’ an meinem leben, / und um uns ward’s elysium“ (1753); Elysium als „der schönsten Seele reiner Himmelssitz“; ein Ort, „um das glücklichste Dasein zu führen“ (vgl. Meyers Großes Konversationslexikon, 6. Auflage, 1905–1909);

Hier gingen wir .. höchst behaglich auf und ab, und ich an Gretchens Seite
deuchte mir wirklich in jenen glücklichen Gefilden
Elysiums zu wandeln,
wo man die krystallnen Gefäße vom Baume bricht,
die sich mit dem gewünschten Wein sogleich füllen, und wo man Früchte schüttelt,
die sich in jede beliebige Speise verwandeln.“
(Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), Dichter und Naturforscher, aus „Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit“,
entstanden 1808–1831)

Ahd. mendan, mendian, alts., mendilôn, „sich erfreuen, scherzen, jubeln“, Mendi, die, Hauptwort, „die Freude, die Fröhlichkeit, der Jubel“, Mendeltag, der, Hauptwort, „ist gleichzusetzen mit dem Gründonnerstag, einem Freudetag über das Fastenbrechen, Tag der Freude, ein Freudentag“, Mendelbrot, das, Hauptwort, „wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Fastenbrechen, eine Art Osterbrot“;

„Im Nieders. Minte, im Dän. Mynte, im Angelsächs. Minte, Minta, im Engl. Mint, im Lat. Mentha, im Griech. μινθƞ. Kenneten wir keine andere Art dieses Gewächses, als die Gartenmünze, so wäre es glaublich, daß diese ihren Nahmen mit aus dem südlichen Europa zu uns gebracht hätte. Allein da so viele Arten bey uns einheimisch sind, welche diesen Nahmen von undenklichen Zeiten her geführet haben, so muß die Übereinstimmung in der Benennung wohl einer von den vielen Beweisen des gemeinschaftlichen Ursprunges aller Europäischen Sprachen seyn. Alle eigentliche Arten dieses Gewächses machen sich durch einen starken gemeiniglich angenehmen Geruch kenntlich, und es scheinet, daß auch dieser der Grund ihrer Benennung gewesen. Vielleicht ist das alte min, in aumin, anmuthig, Minne, die Liebe, Notkers Mendi, Freude, das Isländ. men, schön, oder irgend ein anderes ähnliches Wort das Stammwort derselben.“ 

(Zitat entnommen aus: „Adelung. Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart“, Band 3, Leipzig, 1798, S. 316–317)
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