Einträge mit Wortbegriff beginnend mit 'S'

von sacht abgeleitet: lindern, mildern, mindern
die

„Langweilige, alberne Schwätzerei, seichtes Geschwätz“, oft mit dem Nebensinn des „frömmelnden Tons“; dauernd salbadern, Tätigkeitswort: salbungsvoll (frömmelnd), langatmig und feierlich reden; salbadrig schwätzen, Eigenschaftswort: „umständlich, albern daherreden“, „bigott, scheinheilig“;

siehe auch der Salbader, Hauptwort (2. Hälfte 17. Jhd.), ein „alltäglicher Schwätzer“, welcher anderen mit unerheblichen Erklärungen lästig wird; oder auch ein „Quacksalber“ im Sinne eines „unreinlichen Baders“ (Wortherleitung), der seine Kranken lediglich mit Salben kuriert; evtl. abgeleitet aus nd. sal: „schmutzig, unreinlich“, oder aber von „Seelbader“, ein Bader, der gegen Abfindung zum „Heile der Seele“ beitrug – dies waren die am wenigsten angesehenen und als „schwatzhaft“ verschrienen Zunftgenossen.

„Ich habe deiner Salbaderei schon mehr denn allzulange zugehöret.“

„Er hat eine Art zu salbadern, die jedem auf die Nerven geht.“

„Durch alles dieses ward ich verworrner als jemals,
und nachdem ich mich lange mit diesem Hin- und Herreden,
mit dieser theoretischen Salbaderei des vorigen Jahrhunderts gequält hatte,
schüttete ich das Kind mit dem Bade aus
und warf den ganzen Plunder desto entschiedener von mir,
je mehr ich zu bemerken glaubte, daß die Autoren selbst,
welche vortreffliche Sachen hervorbrachten, wenn sie darüber zu reden anfingen,
wenn sie den Grund ihres Handelns angaben,
wenn sie sich verteidigen, entschuldigen, beschönigen wollten,
doch auch nicht immer den rechten Fleck zu treffen wußten.“
(Johann Wolfgang von Goethe, „Dichtung und Wahrheit“, entstanden 1808-1831)

„So eine salbaderei in principien,
wie sie im allgemeinen jetzt gelten,
ist wohl noch nicht auf der welt gewesen.“
(Johann Wolfgang von Goethe an Friedrich Schiller im Briefwechsel beider, 1881)

behutsam, auf sanfte Art
  • „Heinrich-Heine-Gedicht aus dem „Heimkehr“-Zyklus des „Buchs der Lieder“ mit dem Satz:

  • ‚Wir sahen, wie er sich noch mehr vergeistigte, wie er sanftselig wimmerte, wie er ein liebevoller Vater wurde […].‘ So etwa wie: ‚von oben gesegnet‘.

  • Im Karl May-Buch „Der beiden Quitzows letzte Fahrten“ von 1877 steht:

  • ‚Glaubt Ihr denn, das ich eine alte Betschwester bin, die sich mehr um ihr sanftseliges Ende bekümmert, als um das, was in der Welt und unter Männern vorgeht?‘“

Von mhd. sümesal („Versäumnis“) und sūmen („aufhalten, hinhalten, verzögern, jm. hindern, etwas versäumen“); ein „saumseliger Mensch“ ist nachlässig und träge, mit Tagträumen beschäftigt, wird auch als herumtrödelnd wahrgenommen; jemand ist bei der Ausführung von etwas recht langsam und lässt sich Zeit (siehe auch „die Saumsal“, Hauptwort: Nachlässigkeit, Säumigkeit und „die Saumseligkeit“, Hauptwort: Bummelei, Trödelei). "Mit einem Staubtuch fuhr er langsam, beinahe saumselig über das silhouettenhafte Inventar." (Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 92) "So eilfertig die Vorurteile verkündet wurden, so unglaublich saumselig arbeitete die Justiz." (Die Zeit, 03.11.1972, Nr. 44)

leise rauschen, zart rascheln, angesäuselt, leicht angetrunken, beschwipst

Aus mhd. schar, „überfleißig in jemandes Nähe arbeiten oder sich für alles mögliche erbieten“, scharwenzelnd in Bewegung sein, „beflissen flitzen oder umhersausen“, abwertend „sich übereifrig, unterwürfig um jmdn. bemühen“, „um jmdn. herumschwänzeln“, „mit übertriebener Geschäftigkeit seine Dienste anbieten, um sich dadurch einzuschmeicheln“, sich scharwenzelnd fortbewegen; älter: Scherwenzel: „Bube, Unter, Junge (im Kartenspiel); das Kartenspiel „Scherwenzel“ spielen (17. Jh.); übertragen: „sich durch Dienstbeflissenheit angenehm zu machen suchen“, „dienstbeflissener Mensch“, „liebedienern“, „übereifrig den Hof machen“, „Allerweltsdiener“ (18. Jh.); auch schwänzeln, „geziert einherstolzieren“, „jmdn. umschmeicheln“; Deutscher Ausdruck unter dem Einfluß von Wenzel, „Unter“, „Bube“, „Junge“ (vier höchste Trümpfe bei Skat); nach dem Männernamen Wenzel, dem böhmischen Nationalheiligen, ahd. Wenzil, mhd. Wenzel. „Alle Worte scharwenzeln um die Wahrheit herum; sie ist keusch.“ (Wilhelm Busch (1832–1908), Dichter und Zeichner, Spruchweisheiten und Gedichte, Leonberg: Garant, 2007) „Wenn auch Flamen und Wallonen, Die da Belgien bewohnen, Faßt zum Kriegestanz die Wut, Bei den Großen zu scherwenzeln, Gleich den Ändern mitzutänzeln: Uns ist alles recht und gut.“ (Prof. Dr. Lothar Krupp, Kriegsreigen 1914, Gedicht) „Absprechend über alles; naseweis; Ein kleiner litterarischer Scherwenzel; Ein Springinsfeld, der, was er irgend weiß, Bequemlich trägt in seinem Burschen-Ränzel;“ (August Wilhelm von Schlegel (1767–1845), Literaturhistoriker und -kritiker, Sämtliche Werke, Band 2, Leipzig 1846)

frei von Abgaben
das
abgespaltenes Stück Holz, das zum Einheizen verwendet wird
neidisch, missgünstig
der

Etwas aus vollem Übermut, aus purer Lust machen, ohne groß darüber nachzudenken

ohne Zögern, kurzerhand

Wir benutzen sie täglich – und doch wissen die wenigsten von uns um ihre ursprüngliche Bedeutung. Wir vermuten: Viele Worte sind der deutschen Sprache in ihrer tief spürbaren Klarheit verlorengegangen, weil ihre Bedeutung verdreht und verändert wurde. Unsere Wortfinderin Christa ist den Ursprüngen der Worte gut, böse und schlecht gefolgt und war wieder einmal erstaunt, was sie im Althochdeutschen bedeuteten: Gut stammt vom althochdeutschen Wort guat ab und bedeutete „in ein Gefüge passend“. Die moralische Bedeutung, welche die Kirche dem Wort gab, hat nichts mehr mit seinem ursprünglichen Sinn zu tun. Böse leitet sich vom althochdeutschen bōsi ab und bedeutete soviel wie „aufgeblasen“ oder „geschwollen“. Etwas Aufgeblasenes passt natürlich auch nicht mehr ins Gefüge. Schlecht, von althochdeutsch sleht, ursprünglich bedeutete es „glatt“, „eben“; schleichen leitet seinen Sinn ab von „leise gleitend gehen“; Bedeutungswandel über die spätmittelhochdeutsche Bedeutung „einfach“, „schlicht“.

einfach, geradezu, schlechthin, schlichtweg
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