Einträge mit Wortbegriff beginnend mit 'O'

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Gelegentlich Othem oder Oden (mhd. urspr. ātem, āten, Wandlung von mhd. ā zu nhd. ō), poetisch für „Atem, Hauch, Selbst“; lebensnotwendiger Vorgang des Ein- und Ausatmens, vor allem aber in allegorischem bzw. bildlichem Zusammenhang verwendet; Bezeichnung für den Lufthauch als „wirkende Kraft“, der geistige Odem im Sinne von „Leben“; „Geist und Seele“ des Menschen, die ihm mit dem Odem „eingehaucht“ sind, so auch „geistige Nahrung für die Seele“; siehe auch „der göttliche Odem“, der in der Schöpfung überall zugegen ist; „der Liebe Odem einzig mich umwehe“ (Wilhelm von Humboldt), „der Odem der Verzweiflung“ als Ausdruck größter Not; auch gleichbedeutend mit „persönliche, besondere Ausstrahlung“ eines Menschen verwendet; das Odemholen, Hauptwort: „das pulsierende Werden und Vergehen der Natur“, mit Bezug auf das Verhältnis von Licht und Farben, stimmungsvolle Momente durch den Wechsel der Tageszeiten. „Das Verhältnis des Lichts zur durchsichtigen Farbe ist, wenn man sich darein vertieft, unendlich reizend, und das Entzünden der Farben und das Verschwimmen ineinander und Wiederentstehen und Verschwinden ist wie das Odemholen in großen Pausen von Ewigkeit zu Ewigkeit vom höchsten Licht bis in die einsame und ewige Stille in den allertiefsten Tönen.“ (Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), „Zur Farbenlehre“, 1808-1810) „Im Sternenkranze, die Himmelskönigin, ich seh's am Glanze. Höchste Herrscherin der Welt! Lasse mich im blauen, ausgespannten Himmelszelt Dein Geheimnis schauen. […] Ein zartes Völkchen, um ihre Kniee den äther schlürfend, Gnade bedürfend. Dir, der Unberührbaren, ist es nicht benommen, Daß die leicht Verführbaren Traulich zu dir kommen. In die Schwachheit hingerafft, sind sie schwer zu retten; Wer zerreißt aus eigner Kraft der Gelüste Ketten? Wie entgleitet schnell der Fuß schiefem, glattem Boden? Wen betört nicht Blick und Gruß, schmeichelhafter Odem?“ (Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), „Faust – Der Tragödie zweiter Teil“, vollendet im Sommer 1831) „Er könnte sich den Odem sparen zum Suppeblasen.“ („Was er sagt, ist überflüssig oder umsonst.“) (Schlesisches Sprichwort) „Wo dich der othem der bäume wie ein hauch gottes anwehte.“ (Karl Leberecht Immermann (1796-1846), Schriftsteller, Lyriker und Dramatiker) „Der liebe othem lau schmelzt seel und leib in flammen.“ (Friedrich Johann Michael Rückert (1788-1866), u.a. Dichter, Sprachgelehrter und Übersetzer)

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Mhd. œheim(e), althochdeutsch ōheim, westgermanisch awa-haima „Mutterbruder“, Onkel, eine veraltete Bezeichnung für den Bruder der eigenen Mutter „Einsam, wie ich versprach, wartet ich oben auf dich.“ – Beste, schon war ich hinein; da sah ich zum Glücke den Oheim Neben den Stöcken, bemüht, hin sich und her sich zu drehn. Schleichend eilt ich hinaus! – „Oh, welch ein Irrtum ergriff dich! Eine Scheuche nur war’s, was dich vertrieb! Die Gestalt Flickten wir emsig zusammen aus alten Kleidern und Rohren; Emsig half ich daran, selbst mir zu schaden bemüht.“ Nun, des Alten Wunsch ist erfüllt; den losesten Vogel Scheucht’ er heute, der ihm Gärtchen und Nichte bestiehlt. (Römische Elegien (16) von Johann Wolfgang von Goethe)

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