Die verlorenen Worte

Trutz, Trotz

der

Von mhd. tra(t)z, md. trotz: „Widersetzlichkeit, Feindseligkeit, Herausforderung, Eigensinn“, auch „Unerschrockenheit, Mut“, mnd. trot (trot bēden: „Trotz bieten“); auch „Drohung, Widerstand, Stolz, Standhaftigkeit“; heute eher nur noch gebraucht im Sinne von „Ungehorsam, Widerwille, Widerspenstigkeit“; „Ein Wort, welches die Begriffe, der Zuversicht, des Drohens, des muthigen Widerstandes, und der Herausforderung in sich vereiniget, und wenigstens in einigen Fällen ein Intensivum sowohl von Trost in der veralteten Bedeutung der Zuversicht und Kühnheit als auch von drohen ist“, sowie „hoher Grad des Vertrauens auf eigene Vorzüge oder fremde Hülfe, verbunden mit der festen Entschließung, allen Hindernissen muthig entgegen zu gehen“, „feste Zuversicht“; siehe auch trotzen / tratzen, Tätigkeitswort: mhd. tratzen, md. trotzen, frühnhd. trutzen: „reizen, herausfordern zum Kampf, Widerstand leisten, Gehorsam verweigern, mutig, tapfer, hochmütig sein“ sowie „einer Herausforderung standhalten“, „verstockt, bockig sein“ sowie „reizen, ärgern, necken“; „einen hohen Grad der Kühnheit besitzen, und solchen thätig erweisen“; der Trotzkopf, Hauptwort: „trotziger Mensch“ (18. Jh.), „eigensinnige, halsstarrige Haltung“ (17. Jh.). „Schaff uns nach haus gesund und heil, sonst biete ich dir fehd und trutz.“ (Clemens Brentano (1778-1842), dt. Schriftsteller, „Das Märchen von Gockel und Hinkel“, aus „Italienische Märchen“, entstanden 1805-1811) „Ich will mit edlem Trotz den Weg der Tugend gehen.“ (Christian Felix Weiße (1726-1804), Dichter und Schriftsteller, Begründer der dt. Kinder- und Jugendliteratur) „Hast du in ihrer Brust ein Feuer angefacht, das die Gefahren trutzt?“ „Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten, nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen rufet die Arme der Götter herbei.“ (Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), aus dem Gedicht „Beherzigung“)

Zu finden in: Verlorene Worte
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