Die verlorenen Worte

Unbilden

die
die Unbilden, Hauptwort, Mehrzahl: „Unannehmlichkeiten, Beschwernisse“, von ahd. unbilidi: „(über Gebühr) Unrecht, Unförmigkeit“ (11. Jhd.), mdh. unbilde: „was nicht zum Vorbild taugt“, „Frevel, Unrecht, das Unbegreifliche, Maßlose“; „Widrigkeiten“ gerade auch durch Kräfte, gegen die der Mensch wenig Macht hat; zugrunde liegt die noch im 19. Jhd. belegte Einzahl das Unbild: „Unförmigkeit, das über alles Maß Hinausgehende, Ungemach“, „Verderben, Beschwerlichkeit“; ebenso die Witterungsunbilden: „widrige Wetterverhältnisse, sehr ungünstige Witterung“; unbilden, Tätigkeitswort: „unrecht, gewalttätig handeln“; etwas, das mich unbildet: „etwas ärgert mich“; auch im Sinne von „nicht bilden“: „etwas abwenden, vereiteln“; siehe auch unbillig, Eigenschaftswort: von mhd. unbil / unbillich: „unangemessen, nicht gerechtfertigt“; auch „unnatürlich, unrecht“; davon abgeleitet die Unbill: „schlechte Behandlung, Unrecht“. „die Unbilden des Schickals“, „die Unbilden des Winters“, „die Unbilden einer langen Reise auf sich nehmen“ „Kein anderes Möbel strahlt eine solche Zufriedenheit aus, kein anderes definiert das Zuhause-Sein seit Jahrhunderten so gut wie der große Sessel mit den Ohrenbacken, die seinen Insassen vor den Unbilden der Welt abschirmen.“ (Max Scharnigg, „Rückkehr des Ruhesitzes“, auf sueddeutsche.de, 12. Mai 2015) „Keiner von ihnen hatte jemals so eine Winterwanderung gemacht, aber Auftrag war nun einmal Auftrag, und so kämpften sie sich gegen die Unbilden des Wetters über die Grenze.“ (Yves Buchheim, Franz Kotteder, „Buchheim. Künstler, Sammler, Despot: Das Leben meines Vaters“, Heyne, München 2018)
Zu finden in: Verlorene Worte
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