Die verlorenen Worte

vertrauensselig

Verdrehtes Wort

Zusammengesetzt aus das Vertrauen, Hauptwort, und selig, Eigenschaftswort; heutige verdrehte Bedeutung: „einfältig, gutgläubig“;  „jemand ist voreilig und allzu schnell bereit, jemandem (blindesVertrauen zu schenken“; siehe dazu heutige Herleitung von „Vertrauen“ häufiger im Zusammenhang mit „blind“ – Vertrauen also als etwas Naives, nur den unerfahrenen Menschen zu eigen, Leichtgläubigkeit („Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“); somit Vertrauen als etwas, daß einem im Leben mehr Schwierigkeiten bereitet, als etwas nützt; damit einher geht die Bedeutung von „selig“, heute ebenso eher im Sinne von „leichtfertig, naiv, brav“; „du bist viel zu vertrauensselig“, d.h. „unbedarft, arglos, unbekümmert“ (woraufhin sich eine weitere Reihe verdrehter Worte ergibt); die Vertrauensseligkeit als „typisch deutsche, einfältige Eigenschaft“: 

 „von der echt deutschen sünde vertrauensseliger gutmüthigkeit“ 

(Heinrich Gotthard von Treitschke (1834–1896), Historiker und Publizist, aus: „Historische und politische Aufsätze“, 1859–1889) 

siehe jedoch zu einer uns zuträglichen Bedeutung folgendes Zitat – vertrauensselig ist der, der sich selbst vertraut, Selbstvertrauen besitzt, dadurch anderen „vollstes Vertrauen“ entgegenbringen  kann. 

und somit Eigenverantwortlichkeit auf beiden Seiten voraussetzt, diese sich und dem anderen „zutraut“ – das allerdings eben nicht nur mit Kopf und Verstand, sondern in Verbindung mit dem Herzen, vertrauensselig also in seelischer Verbundenheit auf Herzensebene, somit in Verbindung mit der uns allen zu eigenen inneren Weisheit: 

 vertrauensselig

Zu finden in: Verlorene Worte
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