Die verlorenen Worte

Fersengeld

das

das Fersengeld, zusammengesetztes Hauptwort, aus „die Ferse“, Hauptwort, ahd. fersna, fersana (um 800), mhd. versene, verse: für „Hacke, hinterer Teil des Fußes, Strumpfes oder Schuhs“, und „das Geld“, ahd. gelt: Zahlungsmittel in Form von Münzen und Banknoten; Redewendung „Fersengeld geben“: „fliehen, sich davonmachen“; „er machte kehrt und gab Fersengeld“: „auf schimpfliche Weise fliehen“, gleichbedeutend mit der Redensart „das Hasenpanier ergreifen“, „die Beine in die Hand nehmen“; Grundlage ist das alemannische Recht: derjenige, der seine Mitkämpfer in Gefahr verließ und so in Lebensgefahr brachte, musste „160 Solidus“ (alte Goldmünze) als Strafe zahlen, weil er „dem Feinde die Fersen gezeigt hatte“; in Schlesien mit der Bedeutung: „soviel als seinem Vordermann auf die Fersen treten, um ihn zu schnellerem Gehen zu veranlassen“.

„Beide kriegerischen Haufen gaben aber gleicherweise Fersengeld, sobald die Wachen in den Straßen auftauchten.“ (Heinz von Cramer (1924–2009), Germanist und Pädagoge, „Die Konzessionen des Himmels“, 1961)

„Die Thore wurden nun geschlossen; einer von den Geladenen, Nahmens Schmeckenwitz, kam zu spät, und wollte mit Gewalt noch eingelassen werden, mit der Aeußerung, daß er auch zu den Gästen gehöre, wurde aber von dem Thorwärter gewaret, und so nahm er gern das Fersengeld.“ (Peter Leardi, „Reihe aller bisherigen Erzbischöfe zu Salzburg […], sammt einer kurzen Geschichte dieser Bisthümer vom Jahre 582-1817“, Alois Tusch, Grätz 1818, Seite 51)

„Das Fersengeld ist oft die beste Münze.“ (Karl Friedrich Wilhelm Wander (1803–1879), Pädagoge und Germanist, „Abrahamisches Parömiakon oder: Die Sprichwörter des Abraham a Sancta Clara“; Kohn, Breslau 1838; Zitat von 1573)

Zu finden in: Verlorene Worte
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